Gesprächstermin


Nachdem nun einigen Monate ins Land gezogen sind, seid die "Nathan und Lisa"-Gruppe zu proben begonnen hat, wird es Zeit, nachzufragen: Wie ist es für Laienschauspieler, sich so lange und so intensiv mit einer Rolle zu beschäftigen? Welche Hürden und Herausforderungen gilt es zu nehmen? Und warum überhaupt?

Wir bitten also zum Gesprächstermin und beginnen mit Artem Kirichuk aka Lars-Roland.

1. Artem, du spielst Lars-Roland, den Bösewicht - wie geht's dir damit?

Beim ersten Durchlesen in der Gruppe, war es mir gar nicht bewusst, dass es sich um einen Bad Guy handele. Ich war zwar auf Anhieb bereits, alles zu spielen, sprich von böse bis albern, aber die Interpretation meiner Spielfigur Lars-Roland ist doch herausfordernd für mich - sie erfordert sehr viel Mut. Lars-Roland repräsentiert eine ganz relevante Problematik, mit der wir global und jederzeit in Berührung kommen: Rassismus! Ein Thema, das uns entsetzt und anspannt. In seiner Welt verläuft alles wunderbar bzw. gerecht, unabhängig davon, was er tut und wie die Anderen behandelt. Sein Wort ist sein eigenes Gesetz. Klar, er ist ziemlich unsympathisch, aber fürs Stück wiederum spannend, da die Bad Guys den Geschichten die nötige Menge an Spannung verleihen. Die Rolle fordert, die rassistischen Ansichten eines solchen Charakters überzeugend und glaubhaft darzustellen. Das gelingt einem nur, wenn man versucht, die Psychologie dieser Figur sehr gut zu erfassen, sich in Lars-Roland hineinzuversetzen. Das war von Anfang an eine gewaltige Odyssee in mein inneres Ich, ich musste Hass und Abneigung aus mir herauspressen. Mich beschäftigen durch meine Rolle daher immer Fragen wie: warum sind die Anderen anders und wer ist besser von uns allen.

2. Lars-Roland gehört zum Handlungsstrang, der in der Berliner Gegenwart spielt. Ihr improvisiert und diskutiert viel und lernt euch damit vermutlich ziemlich gut kennen. Wie ist für dich die Zusammenarbeit mit den anderen im Team?

Ich fand die Zusammenarbeit mit den Mitspielern aus der Neuzeit bislang ganz okay! Es war nicht immer super-fantastisch für mich, da jeder ein stückweit seine eigene Geschichte erzählt - typisch Impro eben. Es war aber eine völlig neue Reise in eine völlig neue Welt, und das fand ich schon unterhaltsam. Allerdings würde ich persönlich die Zusammenarbeit als verbesserungswürdig einstufen, da wir uns oft mit ärgerlichen ''Baustellen'' aufhalten, zum Beispiel Leute unbegründet fehlen und ... und ... und. Bei dem politischen Musical ''Gras'', das das KKT 2014 gemacht hat, war es ähnlich, bei einer Großproduktion mit über 20 Amateur-Spielern geht es manchmal zu wie auf einer Achterbahn! Mein Ding ist das nicht, darum werde ich nach "Nathan+Lisa" eher wieder in kleinen Produktionen mitmachen.

3. Entwickelst du dich mit dem Stück, das ihr spielt, weiter?

Ich finde, dass das Stück ziemlich interessante Themen behandelt, die mich stets zum Nachdenken anregen. Im Zentrum des Stücks steht ja die Frage nach Toleranz: was ist die Toleranz ? Was wird toleriert und was nicht? Und interessant finde ich eben die Idee des Regisseurs, diese Erzählung in zwei Zeitsträngen darzustellen. So, dass man die Idee von Toleranz von damals (Mittelalter) auf die heutige Zeit überträgt und damit einen möglichen Kontrast 'belichtet''.

Gefördert von

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung